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Fructosemalabsorption

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Intolerant oder nicht? – Das ist hier die Frage

Fructoseintoleranz

Fructoseintoleranz vs. Fructosemalabsorption

Wenn wir von Fructoseintoleranz reden, meinen wir in Wirklichkeit meistens Fructosemalabsorption. Der Unterschied ist, dass man bei einer echten Fructoseintoleranz wirklich streng auf Fructose verzichten muss, sein Leben lang. Denn das ist eine angeborene Stoffwechselstörung, die nicht heilbar ist. Diese Form ist aber wirklich selten. Die Fructosemalabsorption dagegen ist eine gestörte Aufnahmefähigkeit von Fructose. Der Begriff selbst spricht für sich: Fructose – Fruchtzucker + mal – schlecht + Absorption – Aufnahme = „Fruchtzuckerschlechtaufnahme„. Die gute Nachricht: das muss nicht für immer sein. Das Wort Fructoseintoleranz ist ja schon etwas unschön – aber Fructosemalabsorption toppt das nochmal (sagt das mal ganz schnell dreimal hintereinander!). Um es Fructoseleidenden leichter zu machen, wird deswegen gängigerweise der Terminus Intoleranz für beides verwendet. So mache ich das übrigens auch, ich meine damit aber in Wirklichkeit die Malabsorption.

Was ist das jetzt eigentlich genau und was passiert da (oder auch nicht) im Körper?

Eine Ernährungsberaterin hat es mir wie folgt erklärt. Unser Körper kann nur Monosaccharide aufnehmen, also einzelne Zuckermoleküle. Fast alle Zuckerarten sind allerdings mehrkettig (sogenannte Di-, Poly- oder Oligosaccharide). Die Aufspaltung sollte im Optimalfall im Dünndarm passieren, bevor die Moleküle in den Dickdarm kommen. Kommt fruchtzuckerhaltiges Essen in den Darm, wird bei Normalos alles an Kraft mobilisiert, um den Zucker aufspalten zu können. Sogenannte GLUT-5-Transporter sind dafür zuständig, dass die Mehrfachzuckermoleküle dort hinkommen, wo sie zu Monosacchariden abgebaut werden können. Soweit der Plan. Allerdings sind intolerante Därme weniger aufgeschlossen gegenüber mehrkettigen Zuckermolekülen und sagen dann: MOOOOOOMENT mal. Wir reden da auch noch ein Wörtchen mit. Diesen Fruchtzucker wollen wir hier nicht, deswegen schicken wir auch sicher keine Transporter. Also weiter mit dem Zeugs! Die GLUT-5-Transporter sind bei Fructosemalabsorption sehr träge und machen ihre Arbeit nicht. Wenn dann der Essensbrei mit unaufgespaltetem Zucker weitergeschickt wird in den Dickdarm, spielt die Flora dort nicht mehr mit, weil sie vollkommen überfordert ist. Sie macht dann verrückte Sachen und vergärt den Fruchtzucker zu Wasserstoff, Kohlendioxid und Methan. Mhm genau, Methan kennen wir von Pupsen bei Kühen, die damit ihren Beitrag zur Klimaerwärmung bringen. Der Dickdarm ist dermaßen überfordert, dass er sagt: Alles durch, wir müssen das Ganze schnellstmöglich loswerden. Ihr könnt also schon die Auswirkungen und somit die Symptome erraten:

  • (sehr!) laute Darmgeräusche, also Bauchgrummeln
  • Schmerzen und Krämpfe bis hin zu Choliken (einmal wollte ich wirklich schon fast ins Krankenhaus, weil ich vor lauter Schmerzen schon nichts mehr gesehen habe und mir so schwindlig war)
  • Blähungen, aufgeblähter Bauch
  • Durchfall (ich nenne das „escalazione grande“)
  • Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Schwindelgefühl
  • Müdigkeit, Mattheit

Das muss aber nicht alles sofort passieren. Bei mir dauert es manchmal einen ganzen Tag bis zur Eskalation. Ist ziemlich fies, man weiß dann nämlich nicht immer, woran es gelegen hat… Wie so oft im Leben gilt übrigens bei der Fructosemalabsorption auch: Die Dosis macht das Gift. Ein bisschen geht also schon. Und dauerhaft absolut auf Fructose verzichten ist übrigens auch nicht gut. Aber mehr dazu später.

Wo ist überall Fruchtzucker drin? Und welcher Zucker geht eigentlich?

Fruchtzucker bzw. Zuckerarten die für Fructoseintolerante nicht verträglich ist, ist gefühlt überall drin. Der normale Haushaltszucker, also Kristallzucker besteht zur Hälfte aus Fructose und Glucose (Glucose ist Einfachzucker, der geht für uns schon!). Damit fallen schon mal extrem viele leckere Sachen weg, vor allem auch Kuchen und andere süße Backwaren. Sämtliche Zuckerersatzstoffe und alternative Süßungsmittel wie Xylit, Erythrit, Agavendicksaft, Maltit, Sorbit, Kokosblütenzucker, Honig und Ahornsirup sind tabu. Sehr wohl gehen aber unter anderem Glucose (Traubenzucker), Getreidezucker, Lactose (die aber bitte mit Vorsicht genießen), Malzzucker, Reissirup und Dinkelsirup. Manche sagen, Stevia oder Birkenzucker wären verträglich, aber das muss jeder für sich selbst herausfinden. Da Birkenzucker abführend wirkt, ist er für mich zum Beispiel keine brauchbare Alternative. Ich habe immer Traubenzucker, Getreidezucker und Reissirup zu Hause. Traubenzucker bekommt ihr übrigens in Drogeriemärkten und in Supermärkten wie Spar, Billa un Co. Beim Reissirup muss man ein bisschen mehr Glück haben, aber den gibt es auch in den meisten der eben erwähnten Geschäften.

Andere Intoleranzen: Sorbit und Laktose

Sorbit ist Zuckeralkohol – darin steckt ja schon das Wort Zucker, klingt also gefährlich. Dieser Zuckeralkohol macht unsere Glut-5-Rezeptoren noch träger, als sie ohnehin schon sind und blockiert sie teilweise. Die Folge: Wir können den Fruchtzucker noch weniger aufnehmen und der ganze Prozess wird noch verschlimmert. Danke dafür. Deswegen geht Fructose- und Sorbitintoleranz so gut wie immer miteinander einher, ganz nach dem Motto mehr ist mehr. Sorbit wird als Zuckerersatzstoff vor allem in Light-Produkten und „zuckerfreien“ Produkten verwendet (Vorsicht bei der Nummer E420). Es kommt aber auch natürlich vor und zwar in Obst und Gemüse. Beim Einkauf solltet ihr also einen Quercheck auf Fructose- UND Sorbitgehalt machen.

Die Laktose kennen die meisten Menschen schon. Das ist der sogenannte Milchzucker (schon wieder Zucker!). Nein, ich will euch jetzt nicht sagen, dass ich und alle Kompanen automatisch auch laktoseintolerant sind. Aber ich muss an dieser Stelle schon erwähnen, dass es oft besser ist, wenn man sich laktosefrei ernährt – vor allem am Anfang. Ich selbst mache das aber nicht ,oder zumindest nicht bewusst. Ich versuche allerdings schon neue Sachen auszuprobieren wie Pflanzenmilch, etc. Ein bisschen Lebensfreude gönne ich mir trotzdem und das sind dann oft laktosehaltige Produkte. Behaltet das mit der Laktose aber bitte im Hinterkopf und findet für euch selbst heraus, was für euch am besten ist.

Die Diagnose

Für mich war es ein laaaaaaanger Weg bis zu meiner endgültigen Diagnose. Ich weiß nicht, wann genau ich die ersten Symptome hatte, eigentlich immer schon. Zum ersten Mal zum Arzt bin ich aber ungefähr 15 Jahre vor meiner Diagnose gegangen. Wir haben sehr viele teilweise sehr unangenehme Tests gemacht und ich habe einige andere Dinge für mich selbst ausprobiert, dann aber wieder verworfen. Dabei gab es zwischendurch immer Hochs und Tiefs. Als ich beschloss, dass ich eine mehrmonatige Reise nach Lateinamerika mache und mir somit meinen großen Traum erfülle, wusste ich auch gleichzeitig, dass ich bis zum Antritt meiner Reise wissen muss, was los ist. Ich war der fixen Meinung, dass ich keine Fructoseintoleranz haben kann, weswegen es auch so lange gedauert hat, bis ich es wirklich getestet habe.

Wenn man herausfinden möchte ob man eine Intoleranz hat, kann man das entweder im Selbsttest herausfinden, indem man mal alle Produkte mit dem befürchteten Intoleranzstoff weglässt. Geht es einem dann besser, ist die Wahrscheinlichkeit gegeben, dass man den jeweiligen Inhaltsstoff nicht verträgt. Wer aber auf Nummer sicher gehen will, der macht einen sogenannten H2-Atemtest. Ich habe euch ja oben schon erklärt, dass der Dickdarm nicht mehr arbeitsfähig ist, wenn er die Zuckermoleküle nicht einzeln sondern noch mehrkettig bekommt. Da produziert er unter anderem Wasserstoff (also H2). Dieser geht dann ins Blut über und wird über den Atem wieder aus dem Körper rausbefördert. Bei einer Testung bekommt man einen Fructosekillershot zu trinken, also viiiiiel Fructose. Wenn dann große Mengen an H2 in der Atemluft sind, hat man den Beweis, dass man die Fructose nicht ordentlich abbauen kann. Diesen Test gibt es in dieser Form auch noch für Sorbit und Lactose. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, alle drei Tests zu machen. Es ist leider etwas aufwendig, weil man die Testungen natürlich einzeln machen muss und sich ein paar Tage davor speziell ernähren muss, aber es ist diesen Aufwand definitiv wert. Ich würde jetzt gerne sagen, es ist nicht so schlimm, weil’s nicht weh tut (ich kann euch sagen eine Magen- oder Darmspiegelung ist wesentlich unangenehmer!), aber anlügen möchte ich euch nicht. Bei meinem Fructosetest ging ich leider danach in die Arbeit und mir ist es richtig schlecht gegangen mit escalazione, Schwindel, Übelkeit, starke Bauchkrämpfe – das volle Programm also. Aber ich hatte definitiv Klarheit, was eine große Erleichterung war.

Karenzphase und Testphase

Wenn man schließlich und endlich Gewissheit hat, muss man am Anfang eine zweiwöchige Karenzphase einhalten. Das bedeutet, man sollte dringend Fructose vermeiden. Es sollte eine Besserung der Symptome eintreten während dieser Karenzphase. Sobald man sich in seiner Haut wieder wohl fühlt, kann man vorsichtig verschiedene Lebensmittel testen. In dieser Testphase ist aber wichtig, dass man es nicht übertreibt. Am besten isst man vor und nach solchen Testtagen nichts weiteres Gefährliches, sonst wüsste man ja nicht, was der Auslöser war. Ein guter Anfang wären zum Beispiel Bananen. Am Anfang reicht wohl eine halbe und nehmt eine, die noch nicht allzu reif ist. Egal was ihr testet, ihr solltet es nicht auf leeren Magen und auch nicht isoliert essen. Die Banane würde beispielsweise bestens zu einem Porridge oder Joghurt passen. So kann die Fructose nämlich besser aufgenommen werden. Mit der Zeit werdet ihr merken, welche Lebensmittel gehen und welche ihr weiterhin meiden solltet. Wichtig ist, dass ihr euch von Rückschlägen nicht unterkriegen lässt. 😉

Auf keinen Fall Fructose gänzlich meiden

Ich habe es schon kurz erwähnt: bitte nicht den Fehler machen und sämtliche Fructose für immer aus eurem Leben verbannen. Ihr solltet sie auf jeden Fall großteils meiden, aber wenn ihr gar keine Fructose mehr zu euch nehmt, kann es sein, dass euer Körper dann, wenn er zufällig wieder ein kleines Bisschen abbekommt, komplett durchdreht. Also gänzlich entwöhnen ist keine gute Idee. Ganz geringe Dosen in Verbindung mit Glucose sind sogar erwünscht. Deswegen findet ihr auf meinem Blog auch teilweise Rezepte mit Früchten – manche dürfen (sollen) wir ja in geringen Maßen essen. Ihr müsst da aber bitte auf euren eigenen Körper hören, was euch gut tut.

Notfall: Wie kann ich die Symptome lindern wenn ich sie schon mal habe?

Ich habe für alle Fälle immer Traubenzucker dabei. Das hilft zwar nicht gegen Durchfall, aber vielleicht kannst du die Symptome noch rechtzeitig abfangen bzw. mildern. Wenn die escalazione grande dann schon eingetreten ist, kannst du sie entweder aussitzen (falls das möglich ist), oder du nimmst eine Durchfall-/Schmerztablette. Ich mache mir sehr gerne eine Wärmflasche und trinke viel Tee. Meine Lieblingssorten wenn’s Bäuchlein zwickt sind: Frauenmantel, Käsepappel, Schafgarbe, Ingwer, Brennessel , Zitronengras und Ringelblume. Ich habe diese Tees alle sortenrein zu Hause und mische sie mir dann so wie ich es mir denke.